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Die drei Invaliden oder Die Sparbüchse / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Es war ein kleiner, prunkloſer Leichenzug, welcher durch die Straßen der großen Hauptſtadt ſich fortbewegte. An jeder Seite des ſchlichten Leichentuches hing ein Blumen⸗ kranz, eine Gabe der beiden Invaliden und ein Seitenſtück zu dem Scherflein der armen Wittwe, das dieſe einſt vor dem Herrn in den Gotteskaſten des jüdiſchen Tempels legte. Dennoch erregte das Leichenbegängniß die Aufmerkſamkeit der Vorübergehenden, wie der Anwohnenden. Dieſelbe ver⸗ größerte ſich bedeutend als ſich die Sargträger durch eine Schaar ſchlichtgekleideter, kräftiger Frauen plötzlich ange⸗ halten ſahen, welche aus einem Nachbarhauſe, wo ſie den Trauerzug erwartet hatten, hervorquollen. An ihrer Spitze trug ein Weib eine Blumenkrone, deren Hauptbeſtandtheil hohe, weiße und ſüßduftende Lilien ausmachten. Auf einen Wink ihrer Hand ſenkten die Träger den Sarg und jene befeſtigte die Blumenkrone auf dem Kopfende des Leichen⸗ tuches, worauf der Zug ſich weiter bewegte, dem ſich jene Frauenſchaar ſtill und paarweiſe anſchloß. Es waren lauter Waſchweiber und Kameradinnen der Verſtorbenen, welche einen halben Tagelohn aufopferten, um jener die letzte Ehre zu erweiſen.

Thomas wurde von dieſem Zuge kameradſchaftlicher Liebe und Anhänglichkeit ſo ergriffen, daß er nur durch Thränen und ſtumme Handbewegungen gegen jene Frauen ſeinen Dank äußern konnte. Sein überſtrömendes Antlitz in's vorgehaltene Taſchentuch verbergend, ließ er ſich von dem andern Stelzfuß und ſeiner Enkelin weiter führen.

Durch viele ſich anſchließende Neugierige vergrößert, gelangte der Leichenzug auf den Friedhof. Der Sarg