12 her aber, da Großvater und Enkelin noch allein waren, führte Erſterer die Letztere noch einmal zu dem Sarge, in welchem deren Mutter dem Erdenſchvoß übergeben wer⸗ den ſollte.
„Guſte!“ hob Thomas mit bewegter Stimme an— „betrachte deine kreuzbrave Mutter noch einmal und präge dir ihr liebes, jetzt ſo bleiches Antlitz feſt in's Gedächtniß. Was ſie im Leben geweſen iſt, eine ſchlichte, ehrſame Sol⸗ datenwittwe, iſt ſie auch im Tode geblieben. Als ſolche trägt ſie ihre ſchwarze Wittwenhaube, liegt ſie in ihrem Rock und Jäckchen von blaugeſtreifter Leinwand und in ihren ſchwarzen, derben Lederſchuhen da. Unſere jetzigen Soldatenweiber dagegen ſtolziren neben ihren Männern in langen, bunten Kleidern voller Falbeln daher, hüllen 3 in theure Saloppentücher, deren Zipfel im Staube nachſchleifen, tragen ſeidene Hüte, ja wohl noch Schleier daran, und tanzen in Atlasſchuhen, während daheim der bittere Mangel herrſcht und der Mann nicht weiß, woher das Geld zu all' dem unnützen Plunder auftreiben. Guſte! wer vermöchte die Tauſende und aber Tauſende von Wäſcheſtücken aller Art zu zählen, welche deine ſelige Mutter gewaſchen, ge⸗ bleicht, getrocknet, gemangelt und geplättet hat! Küſſe dieſe kalten, arbeitſamen Hände, denen die beizende Lauge ſo vielemale die Haut beim Waſchen abgezogen hat. Wann du früh noch im ſüßeſten, feſteſten Schlummer ruhteſt, ſtand deine Mutter ſchon längſt am Waſchfaſſe, und vennſ faſt ſchon ausgeſchlafen hatteſt, kam jene erſt von der Mangel, kaum noch ihre Knochen fühlend, wieder heim. Thun ſo etwas unſere jetzigen Soldatenweiber? Ha! dieſe mögen
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