der ſchiefen Dachwand, auf einem ärmlichen Lager, ein
todtes Weib ausgeſtreckt und neben demſelben ein kleines, etwa eilfjähriges Mädchen auf den Knieen, welches die Ur⸗
heberin des vernommenen Schluchzens und die Tochter der
Todten war.
„Da liegt meine Jette!“ ſprach Thomas, mit der Hand auf die Leiche deutend.— Geſtern Nachmittag noch auf dem Trockenplatz und thätig, und heute mauſetodt!“
„Da müſſen doch gleich neun und neunzig tauſend Schock Pulverwagen zuſammen in die Luft auffliegen“— erwi⸗ derte Pommrich, der Invalide.—„Wie in aller Welt iſt denn das ſo ſchnell zugegangen? Mancher, dem auf dem Schlachtfelde der Kopf voneinander geſpalten worden iſt, macht's nicht ſo ſchnell aus wie deine arme Jette.“
„Die Wäſche iſt ihr Tod geweſen“— antwortete Tho⸗ mas—„das laß ich mir nicht nehmen. Die Wäſche iſt für die Frauen, was das Lazarethfieber für die Soldaten. Als meine ſeelige Jette geſtern Abend ſpät heimkam, klagte ſie, was ſie ſonſt nie that, über große Müdigkeit in den Beinen. Sie habe, ſagte ſie, einen ſehr ſchweren Korb mit
Wäſche vom Trockenplatz zur Frau von Tanneberg getragen und dort lange vor der verſchloſſenen Thüre warten müſſen,
* bevor Jemand gekommen ſei und ihr geöffnet habe. Sie wäre erhitzt geweſen und bei der Frau von Tanneberg hätte es ſtark gezogen, und da möchte ſie ſich erkältet haben. Sie ſah ſo kreideweiß aus, wie eine friſch getünchte Kalkwand,
4 ſo daß ich darüber erſchrak. Sie wehrte mir, als ich Feuer
7 anmachen, ihr eine Taſſe Fliederthee kochen wollte, und
meinte, es würde ſich ſchon von ſelbſt wieder g hen,


