funden zu haben. Und wo mein Vater iſt, da ſteckt auch meine Mutter, denn die läßt von meinem Vater nirgends nicht. Ach, gnädiger Herr Leutnant, haben Sie denn nie⸗ mand von meinen Aeltern hier geſehen? Wie ſehr wir Sie bedauert haben, als wir Sie in Dings dort, in dem kleinen Städtchen, in Ketten und Banden wieder ſahen! Monſieur Bedeau hätte gern mehr an Ihnen gethan, als bloß eine warme Decke und einen doppelten Napoleon durch das kleine Mädchen an Sie zu ſchicken. Aber er mußte ſich in Acht nehmen wegen des ſchlimmen Riquet, der, wenn er meinen Herrn erblickt und Sie erkannt hätte, Ihnen nichts als Tort und Dampf zugefügt haben würde. Monſieur Bedeau hat mit den Zähnen geknirſcht und ſogar, was er ſonſt nicht that, geflucht wegen des himmelſchreienden Unrechts, das man Ihnen zugefügt hat. Ach, gnädiger Herr Leutnant, können Sie mir gar keine Nachricht von meinen lieben Aeltern geben? Ach, wie ſchrecklich, wenn ich auch hier, wo ich ſie ganz ge⸗ wiß zu finden hoffte, umſonſt ſuchte!“
Faſt hätte Heinrich über Wilhelms Anſprache:„Gnädi⸗ ger Herr Leutnant,“ gelächelt. Er und ein gnädiger Herr! Er, ein unter der Peitſche ſtehender Galeerenſelave ein Leut⸗ nant! Doch das Mitleid mit dem armen, ſeine Aeltern in wahrer Todesangſt ſuchenden Knaben verdrängte ſchnell jede andere Empfindung. Zugleich erinnerte er ſich aber auch der untergeordneten Stellung, in welcher er ſich gegenüber dem mächtigen Hafencommandanten befand. Zu ihm, der bisher ſchweigend das ihm unverſtändliche Zwiegeſpräch mit angehört hatte, wendete ſich jetzt Heinrich von Wedell mit höflicher Beſcheidenheit.


