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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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mit welchem die froſtbefreite Erde den Frühling feierte, nicht die grünen Saatfelder, nicht die knospenden Haine, nicht die munter nach der Weide ſpringenden Viehheerden. Aber ſchon die lind und warm wehende Frühlingsluft, welche, beſſer als die wollene Matratze, den Froſt von den ſchlafenden Sträf⸗ lingen abhielt, ſchon die paar Blumen, welche einer der Auf⸗ ſeher in thönernen Scherben vor ſeinem eiſenvergitterten Fenſter aufzog, ſchon die jubilirenden Lerchen, welche über dem in das Geſtein geſprengten Hafenbecken in den blauen Aether ſich emporſchwangen, ſchon das neu ſich regende Leben in der Natur, die fröhlich umherſummenden Käfer, das dem Geſtein entſprießende Grün, die wild hier wachſende Rosma⸗ rie, der keimende Yſop, ein einſam bis zum Hafenbecken ſich verirrter, bunter Schmetterling Alles ergötzte unſer durch die Sclavenkette vereinigtes Paar. Freilich wuchs nun mit der neu erwachten Natur zugleich der mächtige Durſt nach Freiheit in den beiden Sträflingen, wie in dem Herzen der meiſten ihrer Gefährten. Es mehrten ſich die faſt ſtets ver⸗ unglückenden Fluchtverſuche, ſo wie die Widerſetzlichkeiten und Verſchwörungen der Sträflinge gegen deren Aufſeher. Die Garcette durfte faſt keinen Tag ausruhen; Auferlegung härterer und längerer Arbeit, Entziehung der Fleiſch⸗ und Weinportionen, Verurtheilung zur Einzelhaft, ja ſelbſt mör⸗ deriſches Einſchreiten des Militairs wechſelten mit einander ab. Uebrigens hatte Alles ſeinen alltäglichen Gang.

So verſtrich der Sommer des Jahres 1810 und der Herbſt färbte bereits die Wolken am abendlichen Himmel mit lebhafteren und brennenderen Tönen. Bereits drei

Vierteljahre lang hatte Heinrich die Galeerenſclavenkleider