Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſeiner Aufſeher, was ihnen manche Erleichterung und man⸗ chen Vortheil verſchaffte. Der Tod erſchien jetzt beiden weni⸗ ger wünſchenswerth und das Leben weniger anekelnd. Und mit der wiedererwachenden Lebensluſt paarte ſich der Trieb zu einer nützlichen Thätigkeit, daher Wedell, von ſeinem Kameraden Richter unterſtützt, in ſofern in die Fußſtapfen von Nr. 1002 trat, daß er in der freien Zeit mit feinen Muſchelarbeiten ſich beſchäftigte. Heinrichs Fertigkeit im Zeichnen, ſo wie ſein gebildeter Geſchmack leiſteten ihm hier⸗ bei die beſten Dienſte und bald übertrafen ſeine Arbeiten an Zierlichkeit und Schönheit die der andern Galeerenſclaven, daher ſolche auch beſſer bezahlt wurden, was gleichfalls zur⸗ Verbeſſerung ihrer beiderſeitigen Lage beitrug.

Die Luſt, einen Verſuch zur Flucht zu wagen, war unſerm Heinrich vergangen und er durch Andrer Schaden klug ge⸗ worden. Seine hierüber gemachten Erfahrungen, welche er ſeinem Leidensgenoſſen Richter mittheilte, vermochten auch denſelben, von einem Befreiungsverſuche abzuſehen, durch deſſen Mißlingen die Lage beider gar ſehr verſchlimmert wor⸗ den wäre. Die ſo Großes bewirkende Gewohnheit brachte es allmählig dahin, daß beide Deutſche beim Liegen den vor⸗ mals ſchmerzenden Druck ihrer Kette und des Eiſenringes nicht mehr fühlten, daß ihr Körper mehr und mehr gegen den Einfluß der Witterung geſtählt und die ſchwere Arbeit ihnen leichter wurde. Hierzu kam, daß der Winter mit ſei⸗ nen Fröſten und Unannehmlichkeiten Abſchied nahm und mehr und mehr die reizendere Jahreszeit jenen verdrängte.

Zwar erblickten die Galeerenſträflinge nicht die Pracht der Blüthenbäume, nicht den bräutlichen Blumenſchmuck,