106
Dießmal jedoch erſchienen die Beſucher, meiſtens aus Frauen und Kindern beſtehend, ohne die ſehnlichſt erwarte⸗ ten Gaben und als die Gefangenen voll finſtern Unmuths nach der Urſache dieſer befremdenden Unterlaſſung fragten, erhielten ſie die trübſelige Antwort, daß man die ihnen be⸗ ſtimmten und mitgebrachten Geſchenke beim Eintritt in den Bagno weggenommen habe und ſie ſolche erſt bei ihrem Aus⸗ tritte wieder eingehändigt bekommen ſollten.
Dieſe Nachricht rief bei allen denen, welche Beſuch er⸗ hielten, ein Murren der Mißbilligung hervor, während die übrigen Sträflinge ihre Schadenfreude hierüber durch lautes Hohnlachen und Spotten an den Tag legten. Allein auch ſie verſtummteu plötzlich, als ein Hafenbeamter im Saal er⸗ ſchien und ſämmtlichen Galeerenſclaven, wegen deren Ver⸗ ſpottung und Verhinderung der heiligen Meſſe und des Prie⸗ ſters, als Strafe für dieſes wiederholte Vergehen das Tabak⸗ rauchen und das Tabakkauen auf immer verbot. Eine här⸗ tere Züchtigung hätte man für die Uebelthäter nicht erſinnen können, eine Züchtigung, welche die Hiebe mit der Garcette, die Entziehung der Fleiſch⸗ und Weinportionen, die Aufer⸗ legung härterer und länger andauernder Arbeit noch weit übertraf. Erſt war es, als erſtarrten Alle unter dem Ein⸗ druck des vernommenen Strafurtheils. Dann rüttelten ſie, wie gefeſſelte Löwen und Tiger, voll Inngrimm an ihren Ketten, ſo daß davon die Luft erzitterte. Dieſem Lärme folgte ein allgemeines, zorniges Murren, welches bald in ein tauſendfaches Gebrüll überging. Und nun begann die wü⸗ thende Menge unter furchtbarem Geſchrei und den ſchrecklich⸗
ſten Verwünſchungen auf den Beamten und die Aufſeher


