100 würdige Prieſter die heilige Meſſe begann, ſo erhob ſich unter der dicht zuſammengedrängten Zuhörerſchaft ein Geräuſch, das mit Ziſchen, Nieſen und erkünſteltem Huſten begann und — wie ein ſäuſelnder Wind zum wüthenden, Alles vernich⸗ tenden Orkane überſpringt— zum entſetzlichſten, das Ohr betäubenden Toben ward. Das Schiff war wirklich jetzt zur Arche Noah geworden, in welchem die eingewanderten reißen⸗ den Thiere ihre Stimmen im Heulen, Brüllen und Ziſchen überboten. Dazwiſchen ertönte ein Gelächter, das der Hölle entſproſſen zu ſein ſchien und wirklich auch war. In dieſen Lärm miſchten ſich die Schreie der Aufſeher und das Knallen ihrer Peitſchen, mit denen ſie die Heuler zum Schweigen zu bringen ſich bemühten. Aber wenn ſie auf einem kleinen Raume die Ruhe erzwungen hatten, ſo begann auf zehn an⸗ deren Stellen das wilde Lärmen um ſo ärger. Vergebens erhob der Prieſtergreis ſeine Hände und Augen gen Himmel, um denſelben um ſeinen Beiſtand gegen die ruchloſen Läſterer anzuflehen; vergebens richtete er ermahnende, bittende und drohende Worte an die ihm zunächſt Stehenden. Nichts half. Bis zum Tod betrübt über die menſchliche Verderbniß, ver⸗ hüllte der Greis ſein Haupt und beugte ſolches nieder auf den heiligen Altar. In dieſer Stellung verharrte er, bis ſich unter fortgeſetztem Lärm der weite Raum ſie wieder ge⸗ leert hatte.
Als der wilde Lärm ſich erhoben hatte, war Heinrich von Wedell erſt erſtarrt über die alle Grenzen überſchreitende Ruchloſigkeit ſeiner Kameraden. Er glaubte, plötzlich in die Hölle verſetzt worden zu ſein und das Geheul der Verdamm⸗ ten um ſich her zu vernehmen. Dann hatte ſich ſeiner eine


