Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

einen ſchnellen Tod. Aber dieſer mied den Lebensſatten, während die alte Plage fortwährte. Tag für Tag ſaß Hein⸗ rich am Seegeſtade, bohrte Sprenglöcher in das harte Ge⸗ ſtein und ſchwang den ſchweren Hammer. Immer unerträg⸗ licher ward ihm dabei die verhaßte Geſellſchaft ſeines Gefähr⸗ ten, welcher des jungen Edelmanns Ohr durch die gemein⸗ ſten, pöbelhafteſten Reden, Flüche, Läſterungen und durch das laute Prahlen mit ſeinen begangenen Schandthaten be⸗ leidigte. Jetzt erſt erkannte Heinrich vollſtändig den großen Werth einer gebildeten, anſtändigen und tugendhaften Um⸗ gebung an, welche Martin Luther in ſeiner Erklärung der vierten Bitte mit dem Ausdruck:fromme und getreue Nach⸗ barn bezeichnet.

Tag auf Tag verging unter gleicher, eintöniger Arbeit, gleicher Plage und Verzweifelung. Wenn Heinrich von We⸗ dell nur eine wärmere Lagerſtätte und Decke beſeſſen hätte damit er wenigſtens die Nacht über träumend oder ſchlafend ſein hartes Lvos hätte vergeſſen können! Aber die noch immer anhaltende Kälte raubte ihm auch dieſen einzigen Troſt, wozu ſich noch die Schmerzen geſellten, die ihm der Eiſenring und die Kette verurſachten, welche beide die Sträflinge erſt nach längerem Verweilen im Bagno gewohnt werden und nicht mehr fühlen.

Der Sonntag kam, der auch für die Galeerenſclaven inſofern ein Ruhetag war, als ſie von ihrer gewöhnlichen, ſchweren Arbeit entbunden wurden. An dem Sabbathsmor⸗ gen durften die Sträflinge nicht nur ihr Angeſicht, ſo wie ihre Hände und Füße waſchen, ſondern die Trägen und Unrein⸗ lichen wurden ſogar durch die Peitſche dazu gezwungen. Auch

Der Galeerenſclave. S