Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

94

Ha! Du willſt mit dem Rilchgeſichte verkaufen? erwiederte Nummer 1002.Auf daſſelbe die Schuld ſchieben, um Dich weiß zu brennen? Mich betrügſt Du nicht, Du Straßenräuber und Gurgelabſchneider! Mein neuer Kamerad weiß nicht einmal, daß ich eine Centime beſitze, noch viel weniger den Verſteck an mir, wo ich meinen Schatz zu verbergen pflege. Auch iſt er zum Stehlen viel zu dumm und faul. Gieb meinen halben Frank heraus oder ich er⸗ würge Dich.

Verſuche das, Du Kirchenräuber und Mordbrenner! ſchimpfte Nummer 896, indem ſie ſich zum Kampfe bereit machte. Die herbeieilenden Aufſeher aber verhinderten den⸗ ſelben und forſchten nach deſſen Veranlaſſung, während Hein⸗ rich ſtill ſeufzend ſprach:Mein Gott! Mein Gott! in wel⸗ cher Geſellſchaft befinde ich mich 12

Nummer 1002 wiederholte gegen die Aufſeher ihre Be⸗ ſchuldigung und Nummer 896 ihr Leugnen.

Durchſucht mich! ſprach ſie keck. Bevor die Aufſeher eine Durchſuchung vornehmen konnten, rief Nummer 1002 lebhaft aus:Der Spitzbube hat meinen halben Frank unter ſeiner Zunge verſteckt Hört nur, wie er plötzlich mit ihr anſtößt.

Das iſt wahr! ſprachen die Aufſeher.Sogleich giebſt Du das Geldſtück von Dir, Schurke!

Aber Nummer 896 machte einen ſchnellen Schluck und öffnete dann weit ihren Mund, um zu zeigen, daß weder in demſelben, noch unter der Zunge etwas enthalten ſei.

Der Spitzbube hat das Geldſtück hinuntergeſchluckt rief Nummer 1002 voll Wuth.Gebt Acht, daß er nunmehr ganz deutlich wieder ſprechen wird.