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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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mit dem Leben und, wie immer und überall, behielt der Tod zuletzt den Sieg. Der Selbſtmörder hatte durch Aufbieten aller ſeiner Kraft ſeinen Kameraden zum Weichen gebracht. Auf Händen und Füßen vorwärts kriechend, zog er jenen, der eben ſo mächtig ſich dagegen wehrte und an jeder Stein⸗ zucke ſich feſtklammerte, nach ſich, bis er die erſehnte Klippe erreicht hatte. Hier ſprang er mit einem raſchen Satze in die Höhe um ſich kopfüber in die Tiefe zu werfen und das mit einer ſolchen Gewalt, daß er ſeinen, an ſich geketteten Kameraden nachzog. Beide ſtürzten und rollten von Stein⸗ klippe zu Steinklippe, bis ſie zuletzt in der Tiefe anlangten und dort leblos, an allen Gliedern zerſchmetteet, liegen blieben. Da das todte Paar bis dicht an den Meeresrand und die wild antoſende Brandung gerollt war, ſo ſpülte es die bald nachher eintretende Fluth hinweg und vertilgte ſelbſt die blutige Spur deſſelben.

Vielleicht tadelt mich mancher meiner Leſer wegen Be⸗ ſchreibung ſo grauſender, den Menſchen überhaupt, insbeſon⸗ dere aber den Chriſten entwürdigender Stenen, obſchon dieſe wirklich ſich ereignen. Allein ich thue es in guter Abſicht. Wie Mancher will verzweifeln und zum feigen Selbſtmörder werden, denkt und nennt ſich als den allerunglücklichen Men⸗ ſchen unter der Sonne, der es noch tauſendmal beſſer hat, als jene Galeerenſclaven! Solche mit ihrem Schickſale Un⸗ zufriedene durch den Hinweis auf noch weit beklagenswerthere Mitgeſchöpfe zu tröſten, iſt eine von meinen gutgemeinten Abſichten. Eine zweite iſt die, daß ich meinen Leſern den tiefen, troſtloſen Abgrund zeigen will, in welchen die Ueber⸗ macht unſrer Leidenſchaften und der Sünde uns zu ſtürzen