Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

87

Der Druck einer ſchweren Laſt machte ſeine Bruft ſchwer und mühſam aufathmen. Hinweg von dem Bilde der Frei⸗ heit wendete Heinrich den Blick und auf ſeine nächſte Umge⸗ bung. Ein winzig kleines Käferlein klomm an einem dürren Grashalm empor, der dem Geſtein entſproßte, und erreichte glücklich deſſen in einem leichten Blüthenbüſchel ſich endi⸗ gende Spitze, wo es einen Augenblick ſtill ruhete, wie freudig triumphirend um ſich ſchaute, die kleinen Flügeldecken hob und dann mit ausgeſpannten Flügeln davon flog. O wie beneidete jetzt der vom Schöpfer ſo bevorzugte und reich be⸗ gabte Menſch das arme, früher nicht beachtete Käferlein! Wie ſehnſüchtig ſein Blick deſſen Flug verfolgte, bis es aus ſeinen Augen ſchwand!

Dumpfe Donnerſchläge erſchütterten die Lüfte und weck⸗ ten Heinrich aus ſeinen Träumen und Wünſchen. Sie rühr⸗ ten von den Pulverſprengungen her, welche das harte Geſtein vertreiben ſollten. Immer häufiger erfolgten die Knalle. Einem derſelben folgte ein mehrſtimmiges Geſchrei nach. Die umherſpringenden und ſchwer niederſchlagenden Felſenſtücken hatten einen Galeerenſelaven getödtet und ſeinen Kameraden verwundet! Dieſer Vorfall erregte kein großes Aufſehen und mochte ſchon öfters geſchehen ſein. Den Getödteten erlöſete man von ſeiner Kette und ſeinem Eiſenringe, legte ihn in ein Boot, das man ein Stück vom Lande abruderte, beſchwerte den Leichnam mit einem Paar gewichtiger Steine und verſenkte ihn in's Meer. Den Verwundeten dagegen ſchaffte man in's Hospital, ohne ihn jedoch von ſeinen Feſſeln zu befreien.

Nach eingenommenem Mittagsmahle ſetzten die Sträflinge ihre langweile Beſchäftigung fort. Die winterliche Sonne