84 jungen adeligen Leutnants der Gegenwart. Hat ein ſolcher die vergangene Nacht hindurch einem Hofballe beigewohnt und nach den Klängen einer bezaubernden Muſik und in einem königlich geſchmückten, von tauſend Wachskerzen wie⸗ derſtrahlenden Saale mit reizend geputzten Damen getanzt, ſo gähnt und reckt er ſich verdrießlich in ſeinem Bette von den weichſten Flaumfedern, wenn ihn ſein Diener weckt, um ihn zur Parade anzukleiden. Ueber das Hemde von feinem Battiſt zieht er, denn es iſt Winter, noch ein Kamiſol vom weichſten Flanell und aus ähnlichem Stoffe beſtehen die Unterbeinkleider, ſo wie die Strümpfe. Im Ofen des Wohn⸗ zimmers, das er jetzt im langen, warmen Schlafrocke betritt, lodert längſt ſchon ein wohlthnendes Feuer und über der Spirituslampe ſteht der gewürzige Kaffee, der im Verein mit feuerigem Rum, mit fetter Sahne, ſüßem Zucker und weichen Butterſemmeln den jugendlichen Krieger erwartet. Auf dem zierlichen Waſchtiſche ſteht ein weißporcelaines Waſchbecken, daneben ein Krug von gleicher Maſſe mit friſchem, klarem Waſſer; wohlriechende Seifen und Haaröle fehlen ſo wenig als das kölniſche Waſſer, dazu Haarbürſten, Haarkämme und andere nöthige Kleinigkeiten der Toilette. Iſt dieſe be⸗ endigt, wobei der Diener ſtets zur Hand ſein muß, das Frühſtück genoſſen, das blank gewichſte Stiefelpaar und die rein gebürſtete Uniform angelegt, ſo tritt der junge Officier vor den deckenhohen Spiegel, muſtert wohlgefällig ſeinen Anzug, ſowie ſeine blühende Geſtalt, dreht den Schnurbart aufwärts und bedeckt ſein zierlich friſirtes Haupt mit dem Federhut oder dem Czakko, worauf er mit klirrenden Sporen davon ſtürmt, um auf der Parade ſeinen Kameraden einen
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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
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