Neuntes Kapitel. Der zweite Tag im Bagno.
Noch dunkelte am andern Morgen die Nacht durch die hohen Fenſter des Bagno herein, als ſchon die Peitſche knallte und die Sträflinge erweckte. Statt frommer Gebete und Geſänge begrüßten läſterliche Flüche, Gezänk, Schimpfen und rohe Scherze den Anbruch des jungen Tags. Die Sträflinge wurden von der Eiſenſtange und ihrer gemeinſamen Kette entfeſſelt, das Frühſtück ihnen dargereicht und ſie dann zu ihrer Arbeit getrieben. Da die Züchtlinge in ihrer völligen Bekleidung geſchlafen hatten, ſo hatten ſie nicht nöthig, ſich anzuziehen, ſo wenig wie ein Waſchen ihres Geſichts und ihrer Hände, und ein Kämmen ihres Haupthaares ſtattfand. Nur Einzelne unter ihnen machten hiervon eine Ausnahme und benutzten die erſte, ſich ihnen darbietende Gelegenheit, um mit Brunnen⸗ oder Meerwaſſer ihre ſchmuzige Haut zu reinigen.
Heinrich von Wedell fühlte ſich von dem harten Lager, der ausgeſtandenen Kälte und der ſchmerzenden Kette an allen Gliedern wie zerſchlagen und vermochte kaum ſich auf die Füße zu erheben.
Welch' ein grauſamer Unterſchied zwiſchen dem jetzigen Aufſtehen und dem vormaligen des jungen Officiers und Edelmannes! Man vergleiche Heinrichs Lage mit der eines
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