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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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80 ler, weil er mein Verwandter und Beiſtand in allerlei Neben⸗ geſchäften war, von einer verdienten, großen Strafe freige⸗ ſprochen, indem ich dem Geſetz eine wächſerne Raſe drehte. Zum Dank für meine Güte verieth der Elende, daß ich ein falſches Teſtament untergeſchoben hatte, durch welches ich zu einem ſchönen Landgute gelangt wäre.

Weiter wurde Heinrich von Wedell noch Ohrenzeuge von ſo vielen und großen Abſcheulichkeiten, von gemeinen Redens⸗ arten, von Flüchen und Gottesläſterungen, daß ihm ein un⸗ beſchreibliches Grauſen vor ſolcher Geſellſchaft überfiel. Wie gern hätte er ſein Ohr gegen das Vernommene verſtopft! Wie gern wäre er taub geweſen! Wie gern das Franzöſiſche nicht verſtanden! Er ſah eins der größten Geſchenke Gottes, die Sprache, auf das Entſetzlichſte gemißbraucht und ent⸗ würdigt und nahm ſich vor, taub, ſtumm und des Franzöſi⸗ ſchen nicht mächtig zu ſcheinen, um nicht in Gemeinſchaft mit den Verworfenen um ſich her zu gerathen.

Mechaniſch kauete und verzehrte Heinrich das ihm zuge⸗ theilte Abendbrot, das, wie die übrige Koſt, beſſer war, als er erwartet hatte. Sogar Fleiſch und etwas Wein wurde an beſtimmten Tagen den Sträflingen verabreicht.

Als die Zeit der Nachtruhe kam, legten die Sträflinge ihre Arbeit nieder und ließen ſich von ihren Aufſehern an die lange Eiſenſtange feſtſchließen, ſo zwar, daß ene jeder Gefangene an ſeine Nachbarn gefeſſelt war mit ihnen eine einzige, durch den Saal laufende Kette bildete. Die über die Pritſche gedeckte, leichte Matratze diente als Deckbett des Sträflings, welcher nichts als das Holz zu ſei⸗ ner harten Unterlage hatte und in ſeiner ſchmalen Pritſche