Botin gemacht, nachdem er deren chriſtliche Denkweiſe durch ihre erſte Gabe kennen gelernt hatte.
Obgleich die Kleine den ihr ertheilten Auftrag ſo ver⸗ ſtohlen wie möglich ausgeführt hatte, ſo entging die neue Gabe dennoch nicht den Luchsaugen des Kettenhauptmann's Riquet.
„Welche Bewandniß hat es mit jenem Schurken“— murmelte er—„daß nur erallein ſo reiche Gaben empfängt? Fühlen wir dem Kerl auf den Zahn.“
Er näherte ſich dem Leutnannt von Wedell, welcher eben die zweite empfangene Hülle um ſich legte und das Goldſtück verſteckte, und fuhr ihn mit den barſchen Worten an:
„War die Kleine Deine Verwandte? Woher biſt Du? Wie uſt Du Dich? Welches Verbrechen haſt Du begangen?“
„Nir verſteh“— verſetzte Wedell, die Redeweiſe eines gemeinen Deutſchen nachahmend— ſein.“
Darauf muſterte Riquet den Leutnant mit forſchenden Blicken von oben bis unten. Dabei riß er ihm die beiden Teppiche von den Schultern, um die darunter befindliche Kleidung zu betrachten. Wedell trug zwar noch die blaue, preußiſche Uniform an ſich, allein in einem ſolchen üblen tande, daß Niemand in ihm einen Officier vermuthen konnte. Ein Glück überdies, daß Riquet bei ſeinem erſten Zuſammentreffen mit Wedell denſelben nur flüchtig geſehen, und ſeine Aufmerkſamkeit mehr auf deſſen Beſchützer Bedeau gerichtet gehabt hatte. Ueberdieß hatten die beſtandene Haft und der Gram den einſt blühenden jungen Mann in ein
ſolches Bild des Elends umgewandelt, daß ihn ſelbſt ſeine
beſten Freund kaum wieder erkannt haben würden.


