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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Gefangener, welcher von einer andern Gegend herkam und gleicher Beſtimmung zugewieſen war. Weil die Zuſchauer der Meinung waren, nichts als todeswürdige Verbrecher vor ſich zu ſehen, ſo betrachteten ſie dieſelben, anſtatt mit mitlei⸗ digem Erbarmen, mit ſchadenfrohen Blicken und weideten ſich an den Qualen, die jenen die ſchweren Feſſeln, und die bittere Winterkälte bereiteten. Unter den Gefangenen litt Heinrich von Wedell am meiſten, theils, weil er dem vorneh⸗ men, an harte Entbehrungen nicht gewohnten Stande ange⸗ hörte, theils aber auch, weil er von ſeiner ſchweren Verwun⸗ dung her noch immer eine große Schwäche behalten hatte. Sein abgemagertes Antlitz ſah kreideweiß aus und nur die Naſe war hochgeröthet, was ganz ſonderbar ſich ausnahm- Die eine der blaugefrornen Hände hatte Heinrich von Wedell unter die zugeknöpften Klappen ſeines löcherreichen, kurzen Röckleins, die andere in eine Hoſentaſche geſchoben, wo⸗ bei ſein ganzer Körper wie vom kalten Fieber geſchüttelt wurde. Der arme Leutnant war ſo ſehr von dem Froſte ein⸗

genommen, daß er ſich, wie eine Schnecke in ihr Gehäuſe,

ganz in ſich zuſammenzog und für ſeine Umgebung keine Augen hatte.

Plötzlich erwachte er aus ſeiner Erſtarrung und zwar durch den Klang einer von Mitleid tiefbewegten Kinderſtimme, welche die Worte an ihn richtete:Da nimm, Du armer Mann! Zugleich fühlte Wedell den ſanften Druck eines wärmenden Gegenſtandes auf ſeinem Arme. Derſelbe beſtand in einem Stück groben, wollenen Teppichs, das in ein Bün⸗ del zuſammengerollt war, die freundliche Geberin dagegen in einem ärmlich gekleideten Mädchen von etwa 9 Jahren, das