65 und die armen Gefangenen würden, um der bittern Kälte willen, gern möglichſt raſch gelaufen ſein, hätten ſie nicht daran die noch ungewöhnten Feſſeln gehindert. Demohn⸗ erachtet trieben die Soldaten zur Eile und gaben ihren Wor⸗
tten durch verabreichte Kolbenſtöße den gehörigen Nachdruck.
Welch' eine Behandlung, für einen Officier und Edelmann, der früher den leichteſten Schlag mit Blut gerächt haben würde! Die Reiſe währte, mit kurzen Unterbrechungen, den ganzen Tag fort und war für die Gefangenen, welche bisher in ihrem Gefängniſſe wenig Bewegung gehabt hatten, ſehr anſtrengend, wiewohl die freie, friſche Luft geſünder war als der Kerkerdunſt. Als es Abend wurde, ſperrte man die Ge⸗ fangenen in eine Scheuer ein, wo ſie nur etwas Wirrſtroh zu ihrem Lager zugetheilt bekamen und darum viel von der Nachtkälte auszuſtehen hatten. Es verſteht ſich, daß man, obgleich die Ketten der Gefangenen ſtark und feſt waren, dennoch zwei Schildwachen vor dem Scheunenthore aufſtellte, die bei dem leiſeſten, verdächtigen Geräuſch der Eingeſperr⸗ ten durch das Abſchießen ihrer ſcharf geladenen Flinten die im Bauernhauſe einquartierten Soldaten herbeizuziehen, den Befehl erhalten hatten. Die Koſt, welche man den Gefan⸗ genen unterwegs darreichte, war die einfachſte von der Welt und beſtand meiſtens nur aus trocknem Schwarzbrot und oftmals trübem Waſſer.
Nachdem die Gefangenen zwei Tage lang ihre traurige Wanderung fortgeſetzt hatten, gelangten ſie in eine kleine Stadt, wo das Volk neugierig herbeiſtrömte, um mit großen Augen die gefeſſelten Uebelthäter anzuglotzen. Mit dieſen vereinigte ſich hier ein zweiter und zwar Zug
Der Galeerenſclave.


