62
getroffen wurden. Endlich langte ein Schreiben von Bedeau's Oberbefehlshaber an, welches derſelbe mit unruhiger Haſt erbrach und überlas.
Bald erheiterten ſich ſeine Züge und ſeit längerer Zeit verſchönte dieſelbe das erſte freundliche Lächeln.
„So habe ich doch Recht behalten“— murmelte Bedeau vor ſich hin—„und er wird nicht erſchoſſen wie ſeine Ka⸗ meraden.“ Sofort gab er Befehl zur Weiterreiſe, obgleich
ſeine, im Duell erhaltene Wunde noch nicht völlig geheilt war.
Wilhelm Mettler konnte das abſtoßende, finſtere Betragen Heinrich's von Wedell gegen Bedeau auf die Dauer nicht ſtillſchweigend mit anſehen. Er hatte von dem Unterofficier Hautmont eine nähere Auseinanderſetzung über den ſtattge⸗ fundenen Zweikampf und deſſen Veranlaſſung bekommen.
„Sie wiſſen wohl nicht“— hob er zu dem Preußen an —„daß Monſieur Bedeau Ihretwegen mit einem Haupt⸗ mann ſich herumgeſchoſſen und ſein Leben für Sie gewagt hat? Der Hauptmann wollte Sie durchaus mit Ihren zwölf Kameraden gerichtet wiſſen, das aber gab Monfieur Bedeau nicht zu und berief ſich auf ſeinen erhaltenen Befehl. Dar⸗ überſ geriethen die beiden Herren hart zuſammen und weil der Hauptmann gröblich gegen Bedeau ausfiel, ſo forderte ihn dieſer auf Piſtolen. Für den Fall, daß Monſieur Bedeau erſchoſſen würde, hatte er lange Abſchiedsbriefe an ſeine Aeltern und Geſchwiſter geſchrieben, auch dem Unterofficier Hautmont aufgetragen, für mich und für Sie dann beſtens zu ſorgen. Ich habe mit angeſehen, wie die beiden Herren auf einander losknallten und bin dabei vor Angſt faſt ver⸗
gangen.“


