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Leben ſcheiden, ſondern auch ſeinem bitterſten Feinde ver⸗ zeihen. Allein bei den Kriegern oder vielmehr im Kriege ſelbſt gilt leider nicht immer die Chriſtenpflicht und das Ge⸗ bot der Liebe.
Die zwölf Schlachtopfer, lauter junge Leute und Söhne der edelſten Familien, wollten kühn und offen dem Tod in's hohle Auge blicken, daher ſtießen ſie die Hände unwillig zu⸗ rück, welche ihnen verhüllende Binden über die Augen legen wollten. In zwei Reihen, je zu ſechs, doch ſo, daß zwiſchen jeder Lücke der Vornſtehenden das Haupt und die Bruſt der zweiten Reihe ſich zeigte, ſtellten ſich die Verurtheilten auf und ihre Henker— ein Trupp franzöſiſcher Soldaten— in kurzer Entfernung von ihnen Eine lautloſe Stille trat ein. Selbſt die jubilirende Lerche in der Nähe verſtummte wie vor Schreck. Da ertönte, die Luft ſcharf durchſchneidend, das Kommandowort des Officiers. Die Franzoſen erhoben ihre Flinten, brachten ſolche mit den Kolben an ihre Wange, legten an, zielten und warteten auf das letzte Wort: Feuer!
Wie laut und ungeſtüm pochte das Herz in jedes Zu⸗ ſchauers tief beklommener Bruſt! Wie ſtarr und bohrend blickte jedes Auge nach der Richtſtätte hin! Bedeau mußte Wilhelms Arm, den heftig zitternden, feſt halten, damit der Knabe nicht zuſammenbrach. In dem Augenblicke, da das Wort„Feuer!“ ertönte, riefen die zwölf Todesopfer mit einem Munde laut aus:„Frei, frei, werde unſer Vaterland!“
Ein hell aufblitzender Feuerſtrahl ſchoß aus vierundzwan⸗ zig Flintenröhren und mit dem aufſteigenden Pulverdampf vermählte ſich der ſchmetternde Knall. Das ſtehende Häuf⸗ lein von Männern verſchwand und mit dem Verziehen des
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