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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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„Du? Einen ganzen Korb Wäſche zu waſchen?“ entgeg⸗ nete Wilhelm.—„Mache mich nicht lachen!“

„Da giebt es nichts zu lachen“— erwiederte Dortchen ernſthaft.„Monſieur Sinclair ſagte geſtern, daß ſie in Frank⸗ reich ein Sprüchwort hätten, das hieße: Ein Vater könne wohl acht Kinder ernähren, aber acht Kinder nicht einen Va⸗ ter. Was meinſt Du, Wilhelm? Sollten wir zwei Kinder nicht unſere Großmutter ernähren können, wenn Noth am Mann wäre? Ich verſuche es alleweile. Die Großmutter hat ſich in der ſcharfen Lauge die Hände aufgerieben und klagt überdies noch, daß ſie das Reißen in der Achſel habe. Sie hat mich ſchon gelobt, daß ich meine Sache ganz gut mache, und mit der Zeit eine tüchtige Waſchfrau werden könne. Das ſtachelt, nicht wahr Milhelm?“

„Du wirſt gar nicht lange mehr waſchen“— ſprach Wilhelm.—„Sieh nur deine Hände an, wie roth und dünnhäutig ſie ſchon geworden ſind. Bald wird die Haut in Stücken daranhängen. Beißt dich denn die ſcharfe Lauge nicht?“ „Sie beißt ſchon ein wenig“— geſtand Dortchen ein —„aber man muß ſich daran gewöhnen und nicht viel da⸗ raus machen. Aller Anfang iſt ſchwer und einmal muß die weiche Haut doch herunter. Haſt du Monſieur Bedeau lamentiren gehört, als er den tiefen Hieb in den Arm bekom⸗ men hatte?“ „Dafür iſt Monſieur Bedeau Soldat und Officier, du aber nur ein kleines Mädchen“— erwiederte Wilhelm. „Und ich bin eine Soldatentochter und eine Preußin“— antwortete Dortchen ſtolz—„wenn wir gleich jetzt weſt⸗ phäliſch heißen.“