Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

Eines Tages hob der Preuße zu Wilhelm ärgerlich an: „Warum quält mich nur jener franzöſiſche Officier, der den Arm in der Binde trägt, mit ſeinen, mir ſo verhaßten Be⸗ ſuchen und Fragen nach meinem Befinden? Deutlich genug habe ich ihm zu verſtehen gegeben, daß mir an ſeiner Theil⸗ nahme nichts gelegen iſt.“

„Monſieur Bedeau hat mir zwar verboten—“ verſetzte Wilhelm—„Ihnen auf dieſe Frage zu antworten, aber, nehmen Sie mir's nicht übel, Herr Officier, ich kann's nicht geduldig mit anſehen, wie großes Unrecht Sie meinem guten Herrn anthun. Sehen Sie: ich und meine Schweſter und meine Großmutter ſind den Franzoſen auch ſpinnefeind, denn ſie haben meinen Vater und gewiß auch meine Mutter in der Schlacht bei Jena todt gemacht. Aber dafür kann Monſieur Bedeau nichts. Er iſt zum Soldaten gezwungen worden und muß daher fechten wie jeder Andere. Sie ſind's geweſen, der meinen Herrn in den Arm gehauen hat, ſo daß derſelbe wohl ſteif bleiben wird. Um ſich gegen Sie zu vertheidigen, hat er Ihnen ſeinen Degen durch den Leib ſtoßen müſſen. Das hat ihn hinterher erſchrecklich gedauert und er deswegen ſo brüderlich für Sie Sorge getragen. Ohne Monſieur Be⸗ deau wären Sie für todt auf dem Schlachtfelde liegen ge⸗ blieben und ohne Gnade lebendig eingeſcharrt worden. Ohne Monſieur Bedeau hätte ſich Niemand hier im Lazareth groß um Sie gekümmert, Sie wären nicht zuerſt verbunden wor⸗ den und gewiß am kalten Brande geſtorben. Und die guten Kraftſüppchen und alle anderen guten Bißchen, die Sie ver⸗ zehren, ſchafft Monſieur Bedeau von ſeinem eigenen Gelde an. Und wenn Monſieur Bedeau nicht wäre, ſo müßten ich