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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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41 ſeinem Lager ſitzen ſah, verfinſterte ſich ſein Antlitz. Gern hätte er daſſelbe der Wand zugewendet, wenn er dazu die Kraft beſeſſen hätte. Daher ſchloß er ſein Auge wieder, um nicht den Anblick eines verhaßten Feindes leiden zu müſſen.

Bedau ließ ſich hierdurch nicht abhalten, mit theilneh⸗ mendem Ton zu fragen:„Wie beſindet Ihr Euch, armer Kamerad?“

Der Preuße antwortete mit keiner Sylbe, wohl aber zuckte ſein Antlitz vor bitterem Haſſe. So trieb es jener längere Zeit; ja als er ſich ſtärker fühlte, wendete er ſich bei Bedeau's Beſuchen ſtets nach der Wandſeite und ſtellte ſich ſchlafend. Ein ſolches wunderliches Betragen beirrte aber den wackern Bedeau nicht. Der Haß, den der Preuße gegen ihn zeigte, galt ja nicht ihm, ſondern der franzöſiſchen Nation überhaupt und dieſelbe, oder vielmehr deren Kaiſer, war allerdings mit Preußen ſo hart umgegangen, daß ihn deſſen Unterthanen unmöglich lieben konnten. Freilich hätte der verwundete Preuße gleichfalls denken ſollen:„der Sache Feind, der Perſon Freund,“ allein eine ſolche Geſinnung iſt nicht jedem Menſchen gegeben und der preußiſche Leutnant war überdies noch blutjung. Bedeau kannte den Bibelſpruch nicht:„Durch Wohlthun muß man die Unwiſſenheit der thö⸗ richten Menſchen verſtopfen,“ aber dennoch handelte er darnach.

Den Haß des Preußen, welcher hartnäckig die Nennung ſeines Namens verweigerte, nicht zu nähren, fand ſich Bedeau ſeltener an deſſen Lager ein, ſchickte aber deſto fleißiger ſeinen kleinen Diener Wilhelm dahin, welcher als Landsmann von dem Verwundeten deſto freundlicher gelitten war und mit ihm plaudern durfte.