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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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mutter flehend anblickten. Und dieſe antworteke, ohne ſich zu beſinnen, in eifriger Haſt:O nein, gnädiger Herr Ober⸗ bürgermeiſter, nicht um die Aufnahme meiner Enkel in's Waiſenhaus wollte ich Sie anflehen, denn ich hoffe noch im⸗ mer, daß ihre Aeltern über kurz oder lang wieder zum Vor⸗ ſchein kommen werden, womit alle unſere Noth verſchwinden würde, ſondern nur um eine gnädige Bei⸗ und Aushülfe wollte ich bitten.

Ein Freudenblick aus beider Kinder Augen dankte der Großmutter für deren Antwort.Hm! hm! erwiederte der Stadtvaterwoher jetzt Geld oder Geldeswerth nehmen in unſerm armen Magdeburg? Die öffentlichen Kaſſen hat der Feind in Beſchlag genommen, überdieß den Einwohnern eine faſt unerſchwingliche Kriegsſteuer auferlegt, der Krieg hat Alle Mittel erſchöpft und was ja noch übrig iſt, ver⸗ ſchlingt die fremde Einquartirung. Alles, was ich thun kann, iſt, daß ich Ihren beiden Enkeln wöchentlich dreimal zwei Portionen Rumford'ſche Suppe und eben ſo viele Spende⸗ brote bewillige. Beides wird Mittags um 12 Uhr in der Garküche ausgetheilt.

Die Wohlthat, welche das bürgermeiſterliche Wort den beiden Kindern jetzt ertheilte, war nur für die allerärmſte und herabgekommenſte Bewohnerſchaft der Stadt beſtimmt und darum, obſchon mit Unrecht, von der Volksmeinung

mit Schande belegt. Freilich, wer bei der Austheilung jener

Brote und Suppenportionen Augenzeuge war und dabei faſt lauter zerlumpte, ſchmutzige und rohe Geſtalten erblickte, die ſich gegenſeitig um den Vorrang zankten, drängten und beſchimpften, der bekam keine vortheilhafte Meinung von den