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Almoſenempflngern. Dieſes Bild ſchwebte der alten Frau ſofort vor den Augen, jedoch wagte ſie kein Wort des Ein⸗ ſpruchs gegen den Oberbürgermeiſter. Dieſer nahm den abermaligen tiefen Knir der Großmutter für eine ſtumme Dankesbezeigung und entließ die Bittende mit einer gnädigen Handbewegung. Nicht minder niedergedrückt, als ſie gekom⸗ men war, ging Frau Ihlig von dannen. Deſto größer war der Jubel der beiden Kinder. Als dieſe des Oberbürger⸗ meiſters Haus hinter ſich ſahen, umſchlangen beide mit ihren Armen die gramerfüllte Großmutter.
„Hei! hei! wir kommen nicht in's garſtige Waiſenhaus!“ jubelten ſie.—„Wir bleiben bei Euch, Großmutter! Und warme Suppe und ſchöne Spendebrotchen bekommen wir! Juchheiſa! Juchhe! Ihr dürft und müßt auch miteſſen, Groß⸗ mutter! und gebt jedem von uns einen Topf zur Suppe! Das wird eine Luſt! Juchhei!“
Die Großmutter dagegen ſeufzte tief auf und ſprach bei ſich ſelbſt:„Wenn das meine Guſte und ihr Mann wüßten! Ach die guten Kinder fühlen ihr Elend gar nicht und ihre Schande!“
Des nächſten Mittags wanderten Wilhelm und Dorothee fröhlich nach der Garküche. Jedes von ihnen trug einen Kannentopf in der einen Hand, während ſie mit der andern ſich wechſelſeitig führten. Die Großmutter blickte ihnen nach und ihre Augen floſſen in heißen Kummerzähren über.„Die armen Kinder!“ ſeufzte ſie wieder.„Ach, wenn meine Guſte ſie gehen ſähe!“
Wilhelm und Dorte blieben lange aus. Als ſie endlich zurückkehrten, war die Suppe in den beiden Töpfen kalt, kein


