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nicht. Betrachten Sie die Kinder, ob ſie in ihren ab⸗ geſchabten und entwachſenen Kleiderchen nicht wie die Sprin⸗ ger einhergehen. Heute habe ich“— die Frau ſchluchzte— „in meinem Geldkäſtchen— nur noch— fünf Dreier vor⸗ gefunden. Helfen, helfen Sie, gnädiger Herr Oberbürger⸗ meiſter, und unſer Herrgott wird es Ihnen tauſendfach vergelten.“
Als Wilhelm und Dorte ihre Großmutter zum zweiten⸗ male weinen ſahen, ſchluchzten ſie gleichfalls, ſo ſehr ſie dieß auch zu verhindern ſich bemühten. Obgleich der Oberbürger⸗ meiſter wohl täglich jetzt mit ähnlichen Bitten überlaufen werden mochte, ſo blieb er doch nicht ungerührt bei dieſem ungeheuchelten Schmerzausbruche. Und wenn andere Bitt⸗ ſteller abſichtlich ihr Aeußeres in Schmuz und Lumpen hüllen, um dadurch das Mitleid Andrer eher zu erregen, ſo ſprach gerade die Sauberkeit der alten Frau und ihrer Enkel zu deren Gunſten.
Aber der Hülfsbedürftigen und Bittenden gab es ſo viele jetzt in Magdeburg, daß der gute Oberbürgermeiſter nicht ſogleich wußte, welchen Beſcheid er der alten Frau ertheilen ſollte. In ſeiner Verlegenheit verſetzte er, ſich räuſpernd: „Hml hml esiſt ſchon ganz gut, liebe Frau, daß Eure beiden Enkelchen da arme Soldatenwaiſen ſind; aber zwei Stellen auf einmal im Waiſenhauſe zu vergeben, geht bei der ohne⸗ hin ſtattfindenden Ueberfüllung deſſelben ſchwerlich an.“
Dieſe Rede machte wie durch einen Zauberſchlag dem Schluchzen und Weinen der Kinder ein plötzliches Ende. Nur zwei helle Tropfen hingen an. ihren Augenwimpern, als ſie, mit wahrer Todesangſt in allen ihren Zügen, ihre Groß⸗


