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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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korb voll naſſer Wäſche auf den Trockenplatz trüge. Auch wagte ſie nicht aufzuſchauen oder einen Menſchen anzuſehen, weil ihr war, als müſſe Jedermann es ihr abmerken, daß ſie zum erſtenmale in ihrem Leben einen Bittgang vorhabe. Es giebt der gemeinen und auch der vornehmen Bettler viele, welche keine Scham bei dergleichen Gängen empfinden, aber gewiß werden die meiſten meiner Leſer das große Opfer ermeſſen, welches die ehrenwerthe alte Frau ihren Enkeln darbrachte.

Frau Ihlig war inſofern zur glücklichen Stunde gegan⸗ gen, als ſie den Herrn Oberbürgermeiſter daheim und auf⸗ gelegt fand, eine arme alte Frau nebſt zwei kleinen Kindern vorzulaſſen. Nach einem tiefen Knixe der Großmutter, den beide Kinder genau nachmachten, was ſich beſonders komiſch bei Wilhelm ausnahm, begann jene mit zitternder Stimme, indem ſie anf die Kinder wies:

Dieſe find meine Enkel, meiner Tochter Kinder. Sie iſt, wie ich, ein Magdeburger Kind, und als Marketenderin mit ihrem Manne, welcher als Unterofficier bei dem ſechſten Füſelierregimente ſteht, in's Feld gezogen. Seit der Schlacht bei Jena haben wir nichts mehr von beiden vernommen und ſie ſind, was Gott nicht wolle, entweder geblieben oder in die Gefangenſchaft gerathen. Ich habe gethan, was ich in Blut und Leben konnte, um die armen vater⸗ und mutter⸗ loſen Kinder zu ernähren. Sehen Sie meine Hände an, die Frau wies ihre vom Waſchen und Scheuern wundge⸗ riebenen, mit Blaſen und Schwielen bedeckten Hände vor, ob ich ſie müſig in den Schoß gelegt habe oder nicht. Wir haben gedarbt, Leſchont, gekargt doch nun geht's länger