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daß ſie unwillkürlich in ein lautes Weinen ausbrachs Das war eine Erſcheinung, welche die beiden Enkel noch nie bei einer erwachſenen Perſon, noch viel weniger bei ihrer alten, ernſten Großmutter erlebt hatten. Bisher hatten ſie nur ſich ſelbſt und andere Kinder weinen gehört. Heftig erſchrocken eilten Wilhelm und Dorothee auf die alte, ſchluchzende Frau los und fragten mit angſtvoller Haſt:„Was fehlt Euch denn, Großmütterchen?“
Dieſe warf einen Blick unter Thränen auf ihre Enkel in der entwachſenen, abgetragenen Kleidung und das Herz blutete ihr noch ſtärker in der ſchmerzenden Bruſt.
„Könnt ihr“— fragte die alte Frau ſchluchzend,— „noch euer Vaterunſer beten?“
„O ja!“ ſprachen beide beſtimmt.„Sollen wir's Euch vorſagen, Großmutter? Wir beten es ja jeden Morgen und Abend her, wenn wir zu Bette gehen und wenn wir auf⸗ ſtehen.“
„Ganz recht!“ nickte die Großmutter—„aber thut von nun an, wie ich euch jetzt ſage. Wenn ihr das Vater⸗ unſer betet, ſo vergeßt nicht, dreimal hintereinander zu bitten: Unſer tägliches Brot gieb uns heute.“
„Warum denn?“ fragte Wilhelm neugierig.„Wir haben ja unſer Brot alle Tage!“
„Betet, betet, wie ich euch geheißen habe“— ſprach die Großmutter ſeufzend und blickte wieder in ihr Geldkäſtel, das nur noch wenige Münzen enthaltende. Eben ſo troſtlos mochte einſt die arme Wittwe zu Zarpath in ihren ausge⸗ räumten Mehlkaſten und in ihren leeren Oelkrug geſchaut
haben! Dortchen aber begriff, warum die Großmutter Der Galeerenſclave. 2


