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Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Hinterachſe zerſchmettert. Ueber dem vernommenen Rufe und dem ſich gleich darauf ihr darbietenden Anblick vergaß ſie Roß und Wagen.

Jeſus! Jeſus! mein Mann! rief ſie zeternd aus und nahte ſich in haſtigen Sprüngen dem Sterbenden, den ſeine Kameraden jetzt in die Hände ſeines Weibes legten und dann durch ſchnelle Flucht ihre eigenen Leiber in Sicherheit zu bringen ſuchten. Die Marketenderin war nun taub und blind geworden für ihre Umgebung, für jegliche Gefahr, für alles Andere in der Welt. Sie ſetzte ſich auf den blutigen Erd⸗ boden nieder, um das theure, geliebte Haupt ihres ſterbenden Gatten ſanft in ihren Schooß zu betten. Sie ſtreichelte deſſen erkaltete Wangen, umſchloß mit ihren warmen Händen die erſtarrten ihres Mannes, hauchte Küſſe auf deſſen mit kaltem Todtenſchweiße bedeckte Stirne und rief ihn mit den zärtlichſten Tönen.

Da kehrte die bereits im Emporſchwingen begriffene Seele noch einmal in ihre irdiſche Hülle zurück. Des Sterben⸗ den Auge erſchloß ſich mühſam und heftete ſich für einen kurzen Augenblick voll unendlicher Liebe auf die lautjammernde Gattin. Aber ſeine zuckenden Lippen vermochten nicht mehr deren Namen oder ein Wort des Abſchieds hervorzuſtammeln. Imdem die Frau mit ihren warmen Lippen den erkalteten ihres Mannes den letzten, innigen Kuß aufdrücken wollte, vereinte eine herniederſauſende Kanonenkugel das nur für einen Athemzug getrennt geweſene Ehepaar wieder.

Die Schlacht nahm ihren weiteren Verlauf in gewöhn⸗

licher Weiſe. Die Franzoſen verfolgten ihren errungenen Sieg und die fliehenden Preußen. Ihre Reiterei ſprengte