Auf dieſe Rede wiſchte ſich der Knabe mit ſeinem Jacken⸗ ärmel und das Mädchen mit ſeinem Schürzenzipfel das Waſſer aus den Augen. Unverwandt blickten ſie dorthin, woher Trommelwirbel mit kriegeriſcher Mufik abwechſelte. Mit klingendem Spiele und wehender Fahne zogen, in breiten, ſchnurgeraden Rotten, die preußiſchen Krieger daher und empfingen von den Umſtehenden der Abſchiedsgrüße viele.„Da kommt euer Vater!“ rief die Großmutter haſtig.—„Seht ihr ihn? dort! dort!“— Die Alte deutete mit dem Finger auf die Rotte, an deren zunächſtem Ende ein langer, ſchöner Unterofficier den Flügelmann vorſtellte. „Aber,“— fuhr die Alte befehlend fort,—„rührt euch nicht von meiner Seite! Der Vater iſt jetzt im Dienſt und dieſer leidet kein Flennen.“
Der Knabe richtete ſich jetzt kerzengerade auf, ſchulterte im linken Arme ſeine Flinte und griff mit der rechten Hand grüßend an ſeine papierne Hutſpitze. Seine Schweſter da⸗ gegen wickelte, wie um ihre Hände mit Gewalt im Zaume zu erhalten, dieſelben feſt in ihre Schürze und warf einen furchtſamen Blick auf ihren Bruder, deſſen Augen freudig glänzten, während ſein Mund zum Weinen ſich verzog. In dem Augenblick, wo der lange Flügelmann vorüberſchritt und faſt unmerklich den Seinen zunickte, rief die Alte: „Kommen Sie glücklich und geſund wieder, Herr Sohn!“
„Komm glücklich und geſund wieder!“ wiederholte das Kinderecho und blickte dem Scheidenden noch lange nach. Nachdem das Regiment vorüber war, folgte demſelben ein langer Troß von Fuhrwerk verſchiedener Art nach. Unter demſelben befand ſich ein Wägelein mit einer Leinwandplane


