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Dankbar drückte er mit der einen Hand die zitternde des Mädchens, während er mit der andern nach dem Waſſerkruge langte.
Dieſe Bewegung verſtehend, führte jetzt das Mäd⸗ chen— wie vor Zeiten Rebekka dem Knechte Abraham that— den Waſſerkrug zu Horſa's Lippen, welche dar⸗ auf in vollen Zügen das friſche belebende Waſſer einſo⸗ gen. Während dies geſchah, brach die Kleine in ein ſchmerzliches Schluchzen aus und lispelte vor ſich hin: „So jung— ſo hübſch— ſo vornehm— und ſchon ſo unglücklich!“
Der Wärter aber ſagte jetzt rauh zu der jungen Samariterin:„Nun, marſch! Röſe! Wenn Dich der Herr Kommandant hier erblickt, kommen wir beide in des Teufels Küche!“
Da ſetzte die Kleine den Waſſerkrug hin und ging, doch zögernd und mehrmals das Antlitz zurückwendend. Horſa hingegen erhob ſich von ſeinem Sitze und ſchritt der Bruſtwehr der Baſtion zu, durch deren Schießſcharten eine er hinausblickte in die unbegrenzte Weite. Himm⸗ liſcher Anblick das! Welche Ruhe, welche Freiheit rund umher! Keine Schranke! keine Wächter! Frei erhob ſich die erſte Lerche jubilirend in die laue Frühlings⸗ luft! Frei wandelte der Landmann durch die jun⸗ gen Saatfelder! Frei ſpielten die Mücken im Sonnen⸗ glanze!
Man möge es Horſa's großer, körperlicher Entkräf⸗ tung beimeſſen, wenn er bei dieſem Anblicke in Thränen ausbrach, deren er ſich zwar ſchämte, die er jedoch nicht zurückzuhalten vermochte. Er wartete mit abgewendetem Geſichte, bis ſie verſiegt waren und ſchritt dann erſt in
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