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Ohne mein Verdienſt war ich einſt der Erſte und Höchſte im Lande, warum ſollte ich nicht da auch einmal der Elendeſte und Niedrigſte im Lande ſein? Der tugendhafte Sokrates mußte im Gefängniſſe den Giftbecher trinken, während ich ſchwacher, ſündhafter Menſch an dem Noth⸗ wendigſten keinen Mangel leide. Freilich war Sokrates ein lebensſatter Greis, ich dagegen bin ein junger Mann, der das Erdenleben erſt genießen möchte. Wie aber? Kann nicht die Zeit deiner Erniedrigung eben ſo raſch verſtreichen, als die deiner einſtigen Erhöhung? Neunzehn volle Jahre faſt haſt du ein Leben des Ueberfluſſes ge⸗ habt und willſt über einige Monate voll Gefangenſchaft ſchon verzweifeln?“
Durch erneutes Bitten verſchaffte ſich Horſa Schreib⸗ materialien von ſeinem Wärter. Ach, die Gefangenſchaft hatte des jungen Mannes Stolz ſchon ſehr gebrochen! Wenn er nur auch von ſeinem Hüter hätte erfahren kön⸗ nen, was aus ſeinem Freunde Strauchwitz und deſſen Bemühen, den Prinzen in jener Nacht zu retten, gewor⸗ den wäre?„Warum hält man mich gefangen?“ fragte er ſich:„Glaubt man, daß ich thöricht genug ſein würde, mich auf einen Thron zurückzuſehnen, von welchem mein eigenes Volk mich herabgeſtoßen hat? Man verbanne mich in einen andern Welttheil— man laſſe mich ein ſchlichter Landmann werden— aber man gebe mir mein Menſchenrecht: die Freiheit.“
Im Widerſpruche mit dieſen Worten entwarf Horſa in den nächſten Stunden die Grundzüge, nach welchen ein Fürſt zu herrſchen habe. Derſelben erſter lautete: Alles, was ihr wollet, das euch die Leute thun ſollen, das thut ihr ihnen auch. Der Zweite: Ein jeder Re⸗


