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„Wir ſind ſeit 14 Tagen hier beiſammen und un⸗ ter einem Dache—“ erwiederte Malchen—„Sollte ich etwa gleich am erſten Tage öffentlich ausrufen, daß meine Hand wie mein Herz bereits vergeben ſei? Freilich, hätte ich ahnen können, daß ein junger Menſch und ſonſtiger Fürſt, von Langerweile gepeinigt, ſich in mich armes, bürgerliches Mädchen verlieben würde: ſo hätte ich mein Geheimniß allerdings eher offenbart.“
„Man muthete mir ſchon vor einem halben Jahre zu, mich zu verheirathen—“ ſprach Horſa, geärgert über den„jungen Menſchen“—„und hätte ich die Prinzeſſin von Triptis geehlicht, ſo wäre ich wahrſcheinlich noch jetzt Regent.“ n
„Ja, damals!“ ſagte Malchen—„da waren Sie noch Fürſt! Ein ſolcher darf ſchon thun, was gegen die Ordnung der Dinge iſt. Aber jetzt ſind Sie ein ordent⸗ licher Menſch und dieſer darf nicht mit 18 ½ Jahren hei⸗ rathen. Mit Ihrer fürſtlichen Würde müſſen Sie zu⸗ gleich alle fürſtlichen Schwächen und Gewohnheiten ab⸗ legen. Nehmen Sie ſich an mir ein Beiſpiel. Ich liebe meinen Eduard unbeſchreiblich und bin, um ihn zu ſe⸗ hen, hierher gereiſet. Dringende, wichtige Angelegen⸗ heiten halten ihn jedoch zur Zeit noch fern. Haben Sie mir aber etwas angemerkt, als ich meinen Bräutigam bei meiner Ankunft nicht fand? Habe ich dem Monde, dem Walde, dem murmelnden Bache meine Sehnſucht geklagt? Mit nichten! Stete nützliche Thätigkeit läßt mich gedul⸗ dig die Heimkehr meines Bräutigams erwarten. Machen Sie es wie ich, denn Müſſiggang iſt das Treibhaus, in welchem der Leidenſchaften Saamenkörner zu ſtarken Bäu⸗ men aufſchießen.“


