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WMalchen ſaß auf einem Baumſtumpfe und zeichnete nach der Natur. Es war eine wilde Waldgegend mit mächtigen Felsblöcken, himmelanſtrebenden Tannen, ſaf⸗ tigen Farrenkräutern, ſchwefelgelben Moosarten und ei⸗ 6 nem weißſchäumenden Forellenbache, an deſſen Ufern muntere Bachſtelzen auf und nieder hüpften. In einiger Entfernung von der Zeichnerin befanden ſich in dem ho⸗ hen Haidekraute 3 Kinder, welche die röthlich blühenden Dolden des Haidekrautes zu Kränzen wanden. Neben der jungen Künſtlerin ſtand Horſa, in einen Jägerbur⸗
ſchen umgewandelt, welcher über jene, zum Schutz gegen
die Sonnenſtrahlen, einen Regenſchirm ausgeſpannt hielt* und ſeine Aufmerkſamkeit mehr der reizenden Geſtalt Amaliens als deren Zeichnung widmete.
Dieſe ſagte jetzt:„Aber, Heinrich, wie halten Sie nur den Schirm? Sie decken damit ja die ganze Ferne„ vor mir zu. Höher, wenn ich bitten darf.“
Horſa, dem der Arm bald einſchlief, dieſe ſeine Schwäche aber nicht zu geſtehen wagte, raffte ſich zuſam⸗ men und that, wie ihm geheißen worden.
„Was meinen Sie—“ hob Malchen wieder an— „ob ich jenen Felſen nicht zu hoch gezeichnet habe? Als ſonſtiger Prinz müſſen Sie doch auch etwas von der Kunſt verſtehen.“
„Ach!“ verſetzte Horſa—„ich ſehe nur Sie und nichts weiter! Sie ſind das herrlichſte Meiſterſtück des Schöpfers und alles Andere dagegen nur Schattenbilder.“
„Sie ſind ein Kind oder gar ein Schmeichler—“ verſetzte Malchen erzürnt.„Schämen Sie ſich, Heinrich! Sie ſind an keinem Hofe, wo die Lüge und die Schmei⸗ chelei heimiſch iſt.“
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