Vöglein zu, welches in einem kleinen Käfig am Fenſter⸗ gewände hing. In einer halbzerbrochenen Scherbe keimte ein Muskatenpflänzlein, der ganze Blumengarten des Schuſters! Auf deſſen Dache ſtand die ſchwarze Geſtalt eines Schornſteinfegers, welcher unter luſtigem Geſchrei den Beſen mit der ſchweren Kugel handhabte. Ein Stück weiter führten zwei Maurer eine Steinwand auf. Während der eine die Spitzhacke ſchwang, hob der an⸗ dere die gewichtigen Sandſteine empor, breitete er mit der Kelle eine Lage Kalk unter, prüfte er mit Winkel⸗ maaß und Bleiloth die ſenkrechte Linie. Ein kurzer Pfeifenſtummel, dem ein blauer Dampf entglitt, ſteckte in dem Munde der beiden Männer, welche unter mun⸗ terem Geſpräche ihre unſaubere Arbeit verrichteten. Kurz, wohin Horſa ſein Auge wendete„ſah er fleißige Men⸗ ſchen. Selbſt ein ſteinaltes, krummgebeugtes Mütterchen ſpann an jenem Fenſter den Faden vom Rocken. Dieſer An⸗ blick wirkte auf den Prinzen wie ein niederſchlagendes Pulver.
„So viele Menſchen arbeiten—“ ſprach Horſa zu ſich ſelbſt—„und einer für den andern. Auch für dich ſtrengten und ſtrengen ſich viele an und du willſt nicht einmal eine ſo leichte Sache verrichten, wie das Tragen einer Perücke iſt? Habe ich nicht oft ſchon einer wilden Sau, welche mir von den Jägern und Hunden geſtellt worden war, mit dem Hirſchfänger den Nickfang gegeben und mich deſſen nicht geſchämt? Und wenn ich Whiſt oder Thombre ſpielte, war das etwa eine ehrenvollere Beſchäftigung als das Tragen einer Perücke? He! trägt nicht der Beſitzer jeder Haartour, der jedenfalls ein wohl⸗ habender Mann iſt, dieſelbe Tag für Tag auf Haupte und ſchämt ſich deſſen nicht?“


