—— „Wenn man 33 Jahre hindurch allabendlich Greiſe
zu jugendlichen Liebhabern, Matronen zu Jungfrauen,
Jünglinge zu Großvätern, Blondinen zu Brünetten
machen muß—“ ſprach Scholle—„ſo mußte es ein
Leichtes ſein, einem 18jährigen Burſchen 10 Jahre zuzu⸗ legen. Hier, Heinrich, iſt für Sie ein Glas Bier. Es werde Ihnen zur Lethe, in welcher Sie die Durchlaucht, den Regenten, deſſen Stolz, Hoffart, kurz Alles begraben und vergeſſen. Seien Sie ein guter Schauſpieler, der nicht aus ſeiner Rolle fällt. Außerdem könnte der ganze Mann nachfallen müſſen.“ Man muß geſtehen, daß eine ſolche Sprache, wie ſie Scholle führte, wohl für einen wirklichen Friſeurge⸗ hilfen, doch nimmermehr für einen Fürſten, wenn er gleich Ezregent war, ſich ſchickte. Die letzte Anſprache des Kammerherrn von Siegmaringen hatte jedoch ſchon das Ihrige gethan, daß Horſa weit eher Scholle's wohl⸗ gemeinte, wenn ſchon derben Worte vertragen lernte als die hämiſchen jenes Höflings. Ueberdieß überredete
er ſich wirklich, daß Alles nur eine Komödie ſei, in wel⸗
cher er die Rolle eines Niedriggeſtellten ſpiele.
Am Abende dieſes bis jetzt merkwürdigſten Tages
ſeines Lebens ſtellte Horſa unterſchiedliche Betrachtungen
und Vergleiche an. Scholle hatte ihm ein kleines Kämmer⸗ chen angewieſen, welches über der Wohnſtube und im Dache gelegen war, wohin man mittelſt einer leiterarti⸗ gen Treppe, vom Vorhauſe aus, gelangte. Das niedrige und beſchränkte Kämmerchen enthielt eine Lagerſtätte, einen Tiſch, einen Stuhl und einen alten Koffer für die Klei⸗


