Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
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mehr als die theuern Prachtblumen eines fürſtlichen Luſt⸗ gartens. Ein Gericht Kartoffeln ſchmeckt zuweilen beſſer als indianiſche Schwalbenneſter, und eine Bauernmütze drückt bei weitem nicht ſo wie eine Fürſtenkrone.“

Ein nicht plauderſeliger Friſeur gleicht einer Glocke ohne Klöppel. Scholle war eine vollſtändige Glocke und was er jetzt läutete, zeugte von Silberzuſatz.

Horſa ließ mit ſich gebahren, wie man wollte. War er doch bisher auch meiſt nicht ſein eigner Herr, ſondern ein Diener des alten Herkommens, der Hofſitte und des Kaſtengeiſts geweſen.

Seifried hatte ſich, um nicht Verdacht zu erregen, auf dem gewöhnlichen Wege wieder entfernt.

Nachdem Horſa's Kopf die völlige Umwandlung er⸗ halten hatte, mußte er ſeine Kleidung mit der, ſchon be⸗ reit liegenden eines Friſeurgehilfen vertauſchen.

„Mir ſtehen Hunderte von Anzügen zu Gebote—“ ſprach Scholle ſtolz—„denn, gleich wie Koch und Keller⸗ meiſter, müſſen auch Theaterſchneider und Theaterfriſeur ſich mit einander verſtehen. Da liegt Fürſt Horſa—“ Scholle deutete auf die abgelegten Kleider—„hier ſteht der Friſeurgehilfe Tronicke. Mosje Heinrich, beſchauen Sie ſich jetzt im Spiegel, damit Sie mit ſich ſelbſt be⸗ kannt werden.“

Wirklich glaubte Horſa einen fremden Menſchen im Spiegel zu erblicken, ſo vollſtändig gelungen war die Verwandlung. Der junge Fürſt glich genau der im Wanderbuche verzeichneten Perſönlichkeit des durchge⸗ brannten Tronicke und Scholle fühlte ſich nicht wenig geſchmeichelt durch ſeines Schützlings ſichtliche Ueber⸗ raſchung.

Nieritz, Fürſtenſchule. I. 3