Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nachdem der Fürſt durch die Tapetenthür gegangen war, verſchloß Seifried dieſe ſorgſam und ſchritt voran. Der Weg ging zwiſchen den dicken Mauern des Schloſ⸗ ſes hindurch, war daher ſchmal, doch gegen mögliche Nachſtellungen wohl verwahrt und ſchwer zu entdecken. Bald führte der Gang in die Tiefe und eine weite Strecke unter der Erde fort. Endlich ging es wieder aufwärts und der Gang endigte in einem dunkeln Raume, wo Seifried den Fürſten zu verweilen bat, bis er wieder⸗ kommen würde.

Horſa hatte jetzt Muße, über die Wandelbarkeit des Glücks, wie der menſchlichen Herzen nachzudenken. Jetzt lernte er ſeine bisherigen Schmeichler, ſo wie ſeine wah⸗ ren Freunde kennen, doch war das Mittel dazu ein ver⸗ zweifeltes. Wenn Strauchwitz nicht zu den erſteren ge⸗ hörte, warum war er nicht zu ſeinem Herrn zurückgekehrt? Dieſe Frage quälte ihn ſo, daß er ſie ſofort an den zu⸗ rückkehrenden Seifried richtete.

„Der Herr Adjutant—“ verſetzte dieſer—„iſt von dem Volke aufgegriffen und feſtgehalten worden. Eben begrüßt es den einziehenden Prinzen Ottokar mit Vivatgeſchrei. Aber mein Leben wollt' ich verwetten, daß auch hier dem Hoſianna gar bald das„kreuzige ihn!“ nachfolgen werde. Doch folgen Sie mir jetzt, Durchlaucht.“

Horſa erkannte aber mehr denn je, daß er nichts weniger denn durchlauchtig oder durchleuchtig ſei, denn er tappte wie ein Blinder ſeinem Führer in der Finſter⸗ niß nach. Dieſer öffnete eine Thüre, durch welche das Licht des Tages ſiel, und ſogleich befand ſich Horſa in einem kleinen, traulichen Gemache, deſſen Fenſter von