„Was willſt du?“ redete ihn Horſa inſih an. „Meinen Feinden den Zugang zu mir zeigen?“
„Ew. Durchlaucht retten!“ erwiederte der Mann mit thränenden Augen.„Ja, eilen Ew. Durchlaucht, bevor es zu ſpät wird. Vertrauen Sie Sich mir an, der ich alle geheimen Gänge des Schloſſes kenne.“
„Warum heimlich fliehen, da ich mir keines Ver⸗ brechens bewußt bin?“ ſprach Horſa.„Im Gefühle meiner Schuldloſigkeit fürchte ich ſelbſt den Tod nicht.“
„Das glaube ich gern, Ew. Durchlaucht!“ verſetzte Seifried.„Aber es giebt Demüthigungen und Qualen, die viel ſchlimmer als der Tod ſind. Und wer bürgt Ew. Durchlaucht dafür, daß Ihrer nicht dergleichen warten?“
„Seifried—“ bat der Fürſt mit rührenden Tö⸗ nen—„ſei ehrlich in dieſer ſchrecklichen Stunde! Sage mir ohne Hehl: war ich ein ſchlechter Regent, der ſein jetziges Schickſal verdient hat?“
„Nein! o nein!“ ſchluchzte der Greis.„Sie ſind und waren der beſte, edelſte Herr von der Welt. Eben deswegen ſtürzt man Sie aber. Alle Böſen, der es am Hofe, im Heere, im Lande genug giebt, fürchteten die Gerechtigkeit Eurer Durchlaucht und den Verluſt ihres Einkommens, das ſie für Nichtsthun erhielten. Der höchſtſelige Herr war lange nicht ſo gütig wie Sie und dennoch hat er 58 Jahre unangefochten regiert. Aber ich ſehe noch die Zeit kommen, wo man Eure Durch⸗ laucht wird auf den Händen hierher zurücktragen wollen. Tröſten Sie Sich mit David, der, ungleich ſchlimmer daran als Sie, von einem undankbaren Sohne entthront wurde und dennoch wieder zu Ehren kam.“


