Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

worden und jener, laut der Chronik, dieſem bis an den Fuß der Schloßtreppe entgegen gegangen. Nun war die große Frage, wie weit Fürſt Horſa einem Großher⸗ zoge entgegen zu gehen habe? Nach reiflicher Ueber⸗ legung und unter Zuziehung ſachverſtändiger Männer lautete die Entſcheidung dahin, daß Horſa ſeinem Gaſte bis auf die halbe Treppe entgegenzugehen habe. Des⸗ halb ſchritt man ſofort zur Aus⸗ und Abzählung der Treppenſtufen, an deren zwölfter ein geheimes, nur dem Fürſten erkennbares Zeichen angebracht wurde. Ueber⸗ dieß koſtete es noch manches Kopfzerbrechens, um die Zahl der Zimmer, der Diener, der Wachen und ſonſtigen Ehrenbezeigungen feſtzuſtellen, welche dem hohen Gaſte erwieſen werden ſollten. Das Endergebniß dieſer müh⸗ vollen Forſchungen wurde ſodann dem Fürſten ſchriftlich zu deſſen Verhalten eingehändigt. Dieſer warf es in ſehr übler Laune aus der Hand.

Ueberhaupt gab es ſchon Zeiten, wo Horſa des ihn umgebenden Lebens herzlich ſatt war. Zuletzt wird man ſelbſt der theuerſten Genüſſe überdrüſſig. Die Freuden der fürſtlichen Tafel, die Pracht der Gemächer, der Glanz einer vornehmen Umgebung, das Reiten und Fah⸗ ren, der Beſitz fürſtlicher Schlöſſer, Gärten und Reich⸗ thümer, das Prunken diamantner Ordensſterne und gold⸗ geſtickter Kleider, das Erweiſen fürſtlicher Ehren Alles dieß hatte für Horſa keinen Reiz mehr. Oftrer ſehnte er ſich nach der Eingezogenheit und Ruhe ſeines früheren Lebens zurück.

Der hohe Gaſt kam. Ihm zu Ehren veranſtaltete man eine glänzende Illumination, ein koſtbares Feuer⸗

werk, eine Heerſchau und eine große Jagd. Die beiden Nieritz, Fürſtenſchule. I. 2

*