Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

hatte die Kühnheit, mir in's Antlitz zu ſagen, daß ein Regent kein Herz haben dürfe, daß er ſich zwar Mai⸗ treſſen, doch nicht eine Gattin nach ſeiner Reigung er⸗ wählen könne, daß die Rückſicht auf des Landes Wohl jeder anderen vorgehen müſſe.

Ihr Geſandter hat die Wahrheit geſprochen erwiederte der Adjutant.Der Landmann und der Bür⸗ ger dürfen der Neigung ihres Herzens folgen bei der Wahl einer Gattin. Der Edelmann dagegen hat ſchon mehr Rückſicht auf die Ebenbürtigkeit zu nehmen. Der Regent aber iſt hierin völlig der Sklave beſtehender Verhältniſſe.

Alſo ſoll der Fürſt ſeinen Unterthanen nicht auch ein Muſterbeiſpiel ehelicher Liebe und Treue geben dür⸗ fen? fragte Horſa bitter.Und dies nur deshalb, da⸗ mit der Kaufmann ſeine Waare um einige Groſchen theurer verkaufen könne?

Der Adjutant zuckte die Achſeln.Dieſer Gegen⸗ ſtand ſprach eriſt allerdings eine Schattenſeite der Herrſcherwürde und eine der Hauptdornen einer Krone.

Aber ich werde dieſen Dorn aus meiner Krone entfernen ſprach Horſa zornentbrennend.Mit aller Gewalt werde ich ihn herausreißen und mein häus⸗ liches Glück nicht an Krämerſeelen verſchachern.

Strauchwitz lächelke ungläubig hierzu.

Nach einiger Zeit ſaß Horſa's Oberceremonienmeiſter eifrig über dem Leſen der Hoſchronik. Der Großherzog von Triptis hatte bei ſeiner Durchreiſe in's Bad dem Fürſten Horſa ſeinen Beſuch zugedacht. Vor ſiebenzig Jahren war der damalige Fürſt von einem Könige beſucht