„Von Siegmaringen, Sie haben eine ſcharfe Zunge. Keiner findet Gnade vor Ihren Augen. Wen rathen Sie mir denn, der zum Premierminiſter paßte?“
„Durchlaucht erweiſen mir zu viel Ehre! Ich würde— geſtatten Sie mir einen Augenblick Ueberle⸗ gung— ja, ich würde Denjenigen zu meinem vorſitzen⸗ den Miniſter erwählen, von welchem das meiſte Böſe ge⸗ gen Ew. Durchlaucht geſprochen würde.“
„Das wäre ſonach der geheime Legationsrath von Spiegel?“ ſprach der Fürſt.
„Getroffen, Durchlaucht—“ entgegnete der Kam⸗ merherr.
„Sind Sie nii mit ſeiner Tochter verlobt?“ fragte Horſu.
„Allerdings. Doch, was thut das? Ich werde ſie
heirathen, ihr Vater mag nun Miniſter werden oder nicht. Ich hab' meine Meinung ausgeſprochen, wei⸗ ter nichts.“
„Auch bin ich Ihnen dafür dankbar—“ ſprach der Fürſt.„Rufen Sie meinen Adjuta Phwon herein.“
„Mein lieber Strauchwitz hob Horſa an— „wie Sie wiſſen, iſt der Generallieutenant von Moſting der Nächſte nach dem Oberbefehlshaber bisher geweſen. Nach dem Range und Dienſtalter würde er ſonach die erledigte Generalsſtelle bekommen müſſen. Er ſoll ein zwar etwas ſtolzer, doch ſtrenger und pünktlicher Offizier ſein. Andrerſeits iſt mir der Oberſt von Lichtenfels als der bei dem Heere beliebteſte, geachtetſte und kenntniß⸗ reichſte Soldat gerühmt worden. Aber der Sprung bis
zum Oberbefehlshaber wäre für denſelben zu groß und verletzend für die über ihm oder in gleichem Range mit


