— 116—
Davon rannte Horſa.„Anna!“ rief er ſchmetternd durch das Wohnhaus, deſſen Räume er mit beflügelten Füßen durcheilte. Keine Antwort! Keine Anna zu ſehen! Einen Blick durch das Fenſter werfend, ſah er in dem Scheine der Feuersbrunſt eine hochbepackte Mannsgeſtalt dem Walde zuſchreiten. Das war verdächtig. In der nächſten Minute hatte Horſa den Kerl eingeholt, welcher bei Horſa's Anrufe ſeine Bürde abwarf und in dem Dickicht verſchwand. Unter dem Rufe:„Anna! Anna!“ drang Horſa in den Forſt ein. Ein weißes Gewand, das zwiſchen den Bäumen matt hindurchleuchtete, ward ſein Wegweiſer. Es war dasjenige ſeiner Braut, welche von zwei Kerlen fortgeſchleppt wurde. Dieſer Anblick
ſpannte Horſa's Kräfte bis zur äußerſten Höhe an. Faſt
hatte er die Räuber eingeholt, als ihm eine baumlange Geſtalt wild fluchend entgegenſprang. Eine aus der Erde hervorragende Baumwurzel aber brachte ſie zum Fallen, und indem ſie ſich bemühte, wieder auf die Beine zu kommen, ſtreckte ein furchtbarer Schlag mit einer eiſernen Haue, welche Horſa noch von der Feuerſtätte her in den Händen hatte, ſie bewegungslos zu Boden. Allein der Räuber mehrere drangen nun auf Horſa ein, welcher, unaufhörlich„Anna!“ rufend, ſeine Haue im Kreiſe ſpie⸗ len ließ und kühn vorwärts ging. In dem Augenblicke, wo ein Räuber einem ſeiner Kameraden zurief:„Schieß nicht, Dreßler! Der Knall verräth uns!“ blitzte es auf und bei dem Knalle der Piſtole ſank Horſa getroffen nie⸗ der. Vor ſeinen Augen ward es finſter, in ſeine Ohren dagegen drang noch der Lärm eines Kampfgetümmels, zwiſchen welchem er Stephan's lauten Zuruf zu unter⸗ ſcheiden glaubte. Dann aber ward er bewußtlos.


