Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

114

die Furcht, daß die Nachricht von ſeinem hohen Stande auch des Mädchens Herz ihm abwendig machen könne, verſchloß ihm den Mund. So gingen einige Wochen hin, in welchen ein giftiger Mehlthau auf das Glück der Fa⸗ milie Schmidt gefallen zu ſein ſchien.

Für Horſa ward jetzt das Bett zum Dornenlager, auf welchem er die Nächte faſt ruhelos verſeufzte. In der einen Nacht vermochte Horſa nicht länger liegen zu bleiben. Vater Schmidt hatte ihm am Tage zuvor eine kurze Friſt zum Abſchiede geſetzt und dies ſein Herz mit Verzweiflung erfüllt. Stephan hatte die Nachtwache bei den brennenden Meilern, daher befand ſich Horſa allein in der Kammer. Er öffnete das Fenſter und legte ſich hinaus. Guter Gott! welch' ein Unterſchied zwiſchen je⸗ ner Nacht, in welcher er Anna ſeine Liebe erklärt hatte! Finſter wie in ſeinem Gemüthe lag draußen die Natur. Kein Mond leuchtete über den Bäumen des Waldes her⸗ vor; nicht einmal die Sterne blinkten am ſchwarz be⸗ wölkten Himmel. Eine heulende Hundeſtimme unterbrach zuweilen die Stille umher und ſchien mit Horſa zu klagen.

Dieſer überließ ſich ſeinen ſchwarzen Gedanken, die immer ſelbſtmörderiſcher wurden. Plötzlich fiel auf die umnachteten Fichten ein ſchwacher, röthlicher Schimmer, welcher mit jeder Minute heller ward. Hierdurch ge⸗ waltſam zur Beſinnung gebracht, erkannte Horſa eine be⸗ ginnende Feuersbrunſt als die Urſache der befremdlichen Erſcheinung. Vom Wohnhauſe aus, welches dem Forſte zunächſt lag, konnte das Feuer unmöglich ausgehen, ſon⸗ dern von einem der rückwärts gelegenen Gebände.