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Die Wipfel der Bäume, ſie rauſchten leiſe und beug⸗ ten koſend ſich gegen einander. Unter ihrem Grün rief der Guckuck, ſchlug die Pirole, flötete die Nachtigall, hüpfte das muntere Eichhörchen umher. Zahlloſe Grillen zirpten im grünen Haidekraute und ſchnarrend flatterte das buntgeflügelte Heupferd von Ort zu Ort. In der Tiefe des Forſtes aber war es ſtill. Nur ſelten, daß ein munteres Reh oder ein ſtolzer Hirſch mit leiſem Tritte daher trabte und ſich zwiſchen dem Dickicht verlor. Die Quelle murmelte über bemooſtes Geſtein und verbarg wiederholt ſich unter den palmenartigen Blättern des ſaf⸗ tiggrünen Farrenkrautes. Ein munteres Bachſtelzenpaar haſchte ſich wechſelsweiſe an des Bächleins Ufer und blaue und grüne Libellen naſchten von der Silberquelle. Doch, wer möchte all die Reize des Waldes im Mai beſchreiben?!
Ein junger Wandersmann ſchritt rüſtig auf dem Schlangenpfade des Forſtes dahin. Mit Wonnegefühlen ſog er den kräftigen Harzgeruch der Nadelbäume ein und damit ſich nicht begnügend, umfing er mit beiden Aermen den nächſten Fichtenſtamm, ausrufend:„Hab' ich dich wirklich wieder, du, meine traute Heimath?!“
Dann verdoppelte er ſeine Schritte, die iön u einen freien Waldplatz hingeleiteten.
Dort an dem Gränzpfahle ſaß ein Midchen, wel⸗ ches eifrig an einem Strumpfe ſtrickte und dazwiſchen den Blick dem Nachbarlande zuſendete. Als der junge Wan⸗ dersmann die Schöne zu Geſicht bekam, ward ſein Gang zum Laufe, der jedoch in dem Sande kein Geräuſch* machte. Bis auf drei Schritte der Strickerin nahe ge⸗
kommen, wurzelte ſein Fuß. Von des ½ Schat⸗ Nieriz, Fürſtenſchule. II.


