Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

90=

derſelben, eine Dame aus den höheren Standen, zu: „Bedauern Sie mich, Herr Goldborn! Ich habe eine Stopfnadel und eine Kaffeebohne entwendet. Das hat mein Unglück verurſacht. Zwar habe ich beide zurückge⸗ geben, aber dennoch war es ein Fehler von mir.“„Ken⸗ nen Sie die Frau von Pallwitz?“— ſprach eine Zweite —„Die Frau von Seinsheim? Die Gräfin von Lange⸗ brück? Sie müſſen insgeſammt geköpft werden. Meinen Sie nicht auch, daß ſie den Tod verdient haben?“

Horſa verließ die Nähe dieſer Frauen und kam zu den männlichen Kranken. Ein junger, bleicher Mann von ſchlankem Wuchſe mit großen, ſchwarzen, tiefliegenden Augen, rang die zarten, weißen Hände und ſtarrte die Erde an.

„Ich war zu eitel!“ ſprach er jammernd—„Narziß ward ich und verliebte mich in mich ſelbſt. Nun ſuche ich die Quelle und mein Bildniß darin. Es zieht mich hinab in die waſſerreiche Tiefe und ich finde nur Sand!“ Ein dritter Kranke rannte die Gänge wild auf und ab. Hier raffte er kleine Kieſelſteine auf, da raufte er Gras ab, dort riß er junge Blätter vom Baume, um Steine, Gras und Blätter mit gieriger Haſt zu verſchlingen. Ein Vierter war ganz in derbes Leder gekleidet und

ſcharrte, wie ein Pferd, mit beiden Füßen den Erdboden auf. Die Lederjacke, welche er trug, hatte ungewöhnlich lange, weit über die Hände hinausgehende Aermel, welche hinten auf dem Rücken kreuzweis befeſtigt waren und ihn daher des freien Gebrauchs ſeiner Aerme und Hände beraubten. Die hellen Thränen rollten ihm über die Wangen, indem er ausrief:„Kann ich dafür, daß ich in einen Maulwurf verhext worden bin? Warum hat mir