Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

anſehnliche Menge Leute, welche aus den Bewohnern der Schmidtſchen Niederlaſſung, aus den in der Nachbarſchaft lebenden Holzhauern, Köhlern, Tagelöhnern und Landleu⸗ ten beſtand. Sie ſaßen auf hölzernen Bänken in geord⸗ neten Reihen und begrüßten freundlich die Schmidtſche Familie, welchen die vorderſte Bank vorbehalten war. Punkt vier Uhr trat auch der Herr Kantor ein, bei deſ⸗ ſen Erſcheinen ſich die ganze Verſammlung ehrerbietig von ihren Sitzen erhob. Ein Tiſchchen und ein erhöhter Tritt erſetzte die Stelle einer Kanzel und wurde von dem Herrn Kantor eingenommen. Zu ſeiner Rechten ſtellten ſich vier Miädchen, an ihrer Spitze Anna, auf und zur Linken eben ſo viele Knaben, welche vereint das Sängerchor bildeten. Von dem perrn Kantor angeſtimmt und von dem Sän⸗ gerchore unterſtützt und gehalten, begann jetzt der Ge⸗ ſang:„Wie groß iſt des Allmächt'gen Güte.“ Nachdem zwei Verſe abgeſungen worden, ſchwieg die Verſammlung. Der Kantor öffnete die vor ihm liegende Bibel und las den Spruch vor: „Gott thut große Dinge und vird doch nicht erlannt. S Hierauf ſprach er:„Meine lieben Zuhörer! Glück heißt das Ding, wonach alle Menſchen ſtreben. Hieraus dürfen wir mit Recht ſchließen, daß Glück unſere Beſtim⸗ mung und der göttliche Wille damit einverſtanden ſei. Viele ſuchen nun ihr Glück in gutem Eſſen und Trinken, im Faulenzen, in ſchönen Kleidern und Wohnungen, im Reichthume, im Tanzen, Kartenſpielen, im Wein⸗ und Branntweinrauſche, im Jagen, Reiten, Fahren, in Titeln und hohen Würden, in einem ausſchweifenden Leben. Ein ſolches Glück iſt aber ein vergängliches und läßt Ekel, Abſpannung und ein Leben voller Leiden hinter