als Horſa das Gotteshaus betrat, wo die Orgelklänge und der vielſtimmige, feierliche Geſang der verſammelten Menge die hehren Räume erfüllten. In ſeiner Nähe ſah er Glaskäſten mit bunten Todtenblumen und Reimen aufgehängt, welche Aeltern ihren früh geſtorbenen Kindern und Kinder ihren Aeltern zum Andenken gewidmet hat⸗ ten. Auch bemerkte Horſa, wie die Blicke der Anweſen⸗ den voll Befremden und Neugier auf ihn gerichtet wa⸗ ren, während Schmidt und die Seinen von allen Seiten freundlich zugenickt bekamen. Da dünkte es dem Prin⸗ zen, als ſei er ein Paria, ein Ausgeſtoßener, ein Ver⸗ waiſeter, den nur das Mitleid in der Geſellſchaft dulde.
Um den ſtechenden, auf ihn gehefteten Augen zu ent⸗ gehen, richtete er die ſeinen auf den Prediger, welcher die Kanzel betrat. Deſſen Stimme drang zwar in ſeine Oh⸗ ren, allein dieſe hörten dennoch nicht. Seine Phantaſie entführte ihn der andächtigen Verſammlung und geleitete ihn zu der kalten, hallenden Fürſtengruft, wo in feſt ver⸗ ſchloſſenen zinnernen Särgen ſein Vater und ſeine Mut⸗ ter, ſo wie zwei früher geſtorbene Geſchwiſter von ihm ruheten. Von da flog ſein Geiſt dem Friedhofe der Fe⸗ ſtung Dachſtein zu, wo man ſeinen Leichnam begraben glaubte. Ob dort ſeinem Andenken ein Stein oder nur ein Holzkreuz geſetzt ſein mochte? Im Glanze der März⸗ ſonne flimmerte mit goldenen Schriftzügen die Grabſchrift vor ſeinen Augen:„Allhier ruhet Horſa, der unglückliche Prinz. Er ſtarb als Gefangener, einſam und unbetrauert, am 5. März 18.. Friede ſeiner Aſche!“ Der Tod lief ihm bei dieſem Bilde über den Rücken. Dabei erinnerte er ſich ſeines Freundes Strauchwitz, welcher den Verſuch, Horſa zu befreien, mit Feſtungsſtrafe hatte bezahlen müſ⸗


