—
kleidet: im knappen Tuchjäckchen, rothen Mieder und ge⸗ ſtreiften wollenen Rocke, unter welchem zwei kleine Füße munter vorwärts ſchritten. Horſa durfte ſich von dem Kirchgange nicht ausſchließen, obſchon er einige Unruhe darüber empfand, ſich den Blicken einer großen Verſamm⸗ lung ausſetzen zu müſſen. Einigen Troſt gewährte ihm die Nachricht, daß das nächſte Kirchdorf, wohin man ſich zu begeben gehe, jenſeits der Grenze liege.
Der Morgen war friſch, aber ſchön. Noch lag die Natur erſtorben. Nur die Winterſaat zog ſaftig grüne Streifen über die ruhenden Felder. Die Bäume ſtanden noch dürr; aber muntere Staare pfiffen und zwitſcherten auf den laubloſen Aeſten. Hier und da trillerte eine frühzeitig eingewanderte Lerche in den blauen Lüften. Der Wald trug noch ſein todtgrünes Winterkleid und war ſtumm. Da, wo die Sonne noch keinen Zugang gefunden hatte, breitete ſich die weiße Schneedecke aus und der leicht gefrorne Erdboden gab hallend die Tritte der Kirchgänger wieder. Bald zeigten ſich deren mehrere, welche von verſchiedenen Seiten herbeikamen und einan⸗ der einen guten Morgen wünſchten.
Glockengeläute, welches hell durch die reine Morgen⸗ luft daher klang, begrüßte die Wanderer, als ſie nach dreiviertelſtündigem Marſche aus dem Walde traten. In einem Thale, welches ſich vor den Füßen der Wanderer ausbreitete, lagen die Gebäude des Dorfes Hollingen um die Kirche gereihet, wie ſich die Küchlein um die Glucke zu ſchaaren pflegen. Schwarze Kreuze und weiße Grab⸗ ſteine bezeichneten den Friedhof, welcher das auf einem Hügel erbaute Gotteshaus umgab. Dort ſtand bereits


