und der Kohlenbrenner Schmidt regierte in ſeinem kleinen Staate wie ein Fürſt in ſeinem großen, ja wohl noch ſegensvoller und glücklicher als ein ſolcher.
Die Mittagszeit vereinte die ganze Familie nebſt den zwei Knechten und der Magd um den Eßtiſch, wel⸗ cher mit einfacher, doch kräftiger Koſt beſetzt war. Nach dem Beiſpiele des Hausvaters, falteten vor dem Nieder⸗ ſetzen die Uebrigen ihre Hände und Anna, welcher die Anweſenheit eines Fremdlings eine flüchtige Röthe in's Antliß trieb, ſprach dennoch mit voller Andacht ein ies Tiſch⸗ und Dankgebet.
Daſſelbe erweckte in Horſa's Innerem einiges Nach⸗ denken.
In dem Mittelalter war es der Burgpfaſſe, an einem fürſtlichen Hofe ein höherer Geiſtlicher geweſen, welcher vor und nach der Tafel ſeines Gebieters in langen, ſal⸗ bungsreichen Gebeten den Segen geſprochen hatte. Als ſpäter die Hof⸗ und Burgprieſter in Wegfall kamen, be⸗ gnügten ſich die Tiſchgäſte damit, ein kurzes, gemeinſames Tiſchgebet zu verrichten. Dieſes wich wiederum der Sitte, die Hände zu falten oder die Serviette in dieſelben zu nehmen und einige Sekunden ſtumm zu Boden oder auf die Speiſen zu ſchauen. Dieſes meiſt gedankenloſe Hin⸗ ſtarren ſollte das ſonſt übliche Tiſchgebet erſetzen. In der neueſten Zeit aber fand man ſelbſt die ſtille Anerkennung, daß jede gute und vollkommene Gabe von dem Vater des Lichts komme, für unnöthig, ja abgeſchmackt. Daher wünſcht man ſich nur gegenſeitig guten Appetit und wohlzubekommen“— weil beides bei den Reichen eine Hauptſache iſt.


